Aufruf Nachttanzdemo 31.10. und WKR 02.11.2018

German (English below)

 

Willkommen zur vierten Runde der Nachttanzdemo! Es ist Zeit, wieder einmal auf die Straße zu gehen!

Dies ist ein Aufruf an alle, die mit den vorherrschenden Verhältnissen nicht einverstanden sind. Mobilisiert! Partizipiert! Seid LAUT und unbequem! Kommt am 31.10.2018 zur Demo!

Die NTD steht in Verbindung mit dem WKR, Wiener Kultur Rave , derwelcher am 02.11. stattfindet. Ort ist die alte WU (Augasse 2-6) und die Solidaritätsveranstaltung beginnt um 19h mit einer Diskussionsrunde und Konzerten, Auflegerei und Performance im Anschluss. Anspruch bei beiden Aktionen ist es, die thematisierten Inhalte zu vermitteln und Feiern in diesem Kontext als notwendige politische Raumnahme zu verstehen.

Einige von euch waren schon dabei, als wir mit Schall und Rauch durch die Innenstadt gezogen sind, um gegen alles Böse und Schlechte dieser Gesellschaft zu kämpfen. Nach einer Pause machen wir nun weiter, denn besser geworden sind die Verhältnisse nicht. Die Ärgsten aus der österreichischen Politiklandschaft haben es auf den Thron geschafft! Die faschistoiden, rassistischen, anti-feministischen Heimatbündler*innen, die aggressiven Rechtsaußen-Halunken, haben die Bühne betreten, um mit der „Marktorientiertheit” Walzer zu tanzen. Es sind düstere Zeiten und wir sehen es als dringend notwendig an widerständig zu bleiben oder zu werden!

 

„Zum großen Bösen kamen die Menschen nie mit einem Schritt, sondern mit vielen kleinen, von denen jeder zu klein schien für eine große Empörung.”
(Köhlmeier, Michael am 4. Mai 2018 – Veranstaltung im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus)

NEIN!

Wir wollen keine Verhältnisse, in denen nach unten getreten wird. Wir wollen keine schwarz-blaue Regierung, welche wichtige soziale und feministische Projekte streicht, welche von Gewaltschutz redet und bei Präventionsprojekten kürzt, sowie soziale Geldleistungen kürzt und streicht. Wir wollen keine 60-Stundenwoche und keinen 12-Stunden-Arbeitstag. Wir finden 160 auf der Autobahn und die Polizeipferdestaffel bestenfalls unnötig, genauso wie einen neuen Fuhrpark der Regierung für eine Milliarde Euro oder Maschinengewehre für die Polizei. Wir brauchen keine Grenzen zu schließen, Menschen zu konzentrieren oder Boden zu besetzen (beispielsweise in Afrika). Wir sagen NEIN zu Rückführungsabkommen, Waffenexporten und der Scheinidee von „sicheren Herkunftsländern“. Jede Abschiebung ist menschenunwürdig. Wo wirtschaftliche und soziale Verhältnisse durch die neoliberale Walze zerstört werden, gibt es kein gutes Leben. Schon gar nicht in Ländern, in denen es Reisewarnungen durch das Innenministerium aufgrund von Krieg und Konflikten gibt. Wir sind gegen Hetze. Hetze gegen Menschen, die nicht aus Österreich sind. Und das in einem Land, in dem Erntehelfer*innen aus dem Ausland ausgebeutet werden, und das Sozialsystem ohne schlecht-bezahlte Pflegekräfte aus (Ost-) Europa nicht funktionieren würde. Es geht ihnen nicht darum, an einem guten Zusammenleben zu arbeiten. Ihnen geht es um Ausgrenzung, es geht darum Hass zu schüren und daraus politisches Kapital zu schlagen. Wir sind gegen Verbotspolitik. Nein zu Essenverboten in den Öffis, Repression gegen Bierverkäufer*innen am Donaukanal, Razzien in Klubs und Kommerzialisierung von öffentlichem Raum. Wir sind gegen einen technischen Fortschritt, der Ausbeutung fortschreibt. Und wir sprechen uns gegen eine Politik aus, die eine Spaltung der Gesellschaft vorantreibt. Wir brauchen keinen Wirtschaftswachstum, dritte Flughafenpisten und Umweltzerstörung. Diese Politik schreibt den Klimawandel fort. Diese Politik macht ebenso Arme ärmer wie Reiche reicher. Sie haben es auf uns abgesehen, wollen uns umbringen, abschieben und unsere Existenz zerstören. Wir sind gegen die Diffamierung unserer Anliegen als „Gutmenschen“ oder „Linksextreme“ – Extrem sind die gesellschaftlichen Verhältnisse!

JA!

Eine andere Welt ist nicht nur notwendig, sondern auch möglich und nötig! Eine Welt, in der Menschen sein können ohne Normen, die uns spalten. Eine Gesellschaft, in der alle Raum bekommen – unabhängig davon ob sie dis_abled sind, welche Hautfarbe oder Geschlecht/Gender sie haben oder woher sie kommen und welche Sprache(n) sie sprechen. Eine Welt, in der für alternative Lebensentwürfe, abseits von patriarchalen, heteronormativen Konzepten Platz ist. Eine Gesellschaft, die ein gutes Leben für alle möglich macht. Wir sind für weltweites bedingungsloses Grundeinkommen für alle und für eine Solidargemeinschaft, die ein gutes Leben für alle unabhängig von Leistung und Geld ermöglicht. Wir wollen in einer Gesellschaft leben, welche die Dynamik der Diversität schätzt, anstatt von stagnierender Gleichheit zu fantasieren! Menschen sollen dort sein und bleiben können, wo es ihnen passt. Für uns sind Grenzen gewaltsam gezogene Striche in der Landschaft, die über Schicksale und (Un)Möglichkeiten von Menschen bestimmen. Bleiberecht und Bewegungsfreiheit für alle! Solange es Kriege gibt, braucht es Seebrücken und sichere Fluchtrouten für alle! Das Morden durch die EU-Außenpolitik an den Grenzen und im Mittelmeer muss ein Ende haben! Für Wohnraum und Recht auf Stadt für alle! Für gesellschaftliche Verhältnisse, in denen alle Geschlechter Platz haben! Wir wollen nicht nur ein Stück vom Kuchen – wir wollen die ganze Bäckerei! Das heißt selbstorganisierte Arbeitsverhältnisse und Kontrolle der Produktionsmittel von allen für alle!

 

Unser Problem heißt Kapitalismus und Patriarchat – lasst uns die Dinge beim Namen nennen und für eine Gesellschaft wirken, die diese Verhältnisse überwindet! Ja! Wir eignen uns den öffentlichen Raum an!

Wir feiern hier Gegenkultur! Denn eine Stadt braucht dringend ein Gegenstück zum Kommerz, zu Zuckerbrot und Peitsche bestehend aus Bespaßungspolitik von oben und Verdrängung im öffentlichen Raum. Bei uns wird nicht der Profit gefeiert, sondern die Freiheit! Das Recht darauf, sich den Raum zu nehmen, den Mensch braucht.

Wir gehen gemeinsam auf die Straße, um zu zeigen, dass es uns gibt! Um aufzuzeigen, was wir fordern!

Macht mit! Mit einem eigenem Soundwagen, als Einzelperson, als Gruppe, als Soundsystem oder autonomer, spontaner Zusammenschluss..…Meldet euch bei uns, wenn ihr Interesse und Motivation habt euch – in welcher Form auch immer- zu beteiligen. Je früher, desto besser!

Bereitet euch auf den 31.10.2018 vor und zeigen wir Wien, was noch möglich sein wird!

 

English

 

Welcome to the 4th round of the Nachttanzdemo! Once again, it’s time to head out there and reclaim the streets!

This goes out to anyone who objects to the existing state of society. Mobilize yourselves! Participate! Be LOUD and defy the complacency! Join the rally on October 31st 2018!

Nachttanzdemo is part of the Wiener Kultur Rave, to take place on November 2nd. The Solidarity-Party will take place at alte WU (Augasse 2-6) and will start around 19h with a talk and Party, Concerts and Performance afterwards. The aim of both events is to communicate the issues at hand and to acknowledge partying as a necessary political means to reclaim space.

Some of you have joined us before, tramping through the streets of the inner city equipped with sound and smoke to challenge all that is wrong and corrupted in this society. Some time has since passed, and we are back at it, seeing that conditions have far from improved. The most diehard archetypes of Austria’s political landscape have made their ascent to the throne! Those fascistoid, racist, anti-feminist Austro-Germanic supremacists, those aggressive far-right crooks have taken the stage, waltzing away in happy unison with what they call “market orientation”.

These are sinister times indeed! They call for resistance to be put up and sustained!

 

“People are never lead to great corruption in a single step. It takes many little ones, each one seemingly too insignificant to arouse indignation”

(Michael Köhlmeier on May 4th, 2018 at the Commemoration in Memory of the Victims of National Socialism)

NO!

We refuse to put up with this kind of kiss up kick down mentality. We object to a „black-blue“ government that cancels important social and feminist projects, that speaks of violence prevention while reducing funds for prevention projects, that curbs and cuts social benefits. We object to a 60-hour week and a 12-hour workday. We see no need for a 160 km/h motorway speed limit or a mounted police unit, no need for a Billion Euro government car fleet, no need to equip police with automatic rifles. There is no need to close borders, to concentrate people or to occupy territories (in Africa, for example). We say NO to refugee readmission agreements weapons exports, NO to those clinging to the myth of “safe countries of origin”. Any form of expulsion goes against human dignity. Where the economic and social spheres succumb to the neoliberal steamroller, there can be no talk of the quality of life. Least of all in countries where interior ministries issue travel warnings due to wars and conflicts. We condemn incitement to hatred. Hatred against people who aren’t from Austria. This is happening in a country where migrant harvest helpers are exploited and the healthcare system would cease to function without the help of underpaid caregivers from (Eastern) Europe. They have no intention of working towards mutually beneficial cohabitation. Their intention is to exclude and incite hatred, wherever politically expedient.

We refuse to put up with a policy of prohibition. We are against a ban on eating food on public transport, against repressions against beer vendors on the Danube Canal, against police raids in clubs and commercialization of public space. We are against technological progress that promotes exploitation. We are against policies that encourage the division of society. We don’t need economic growth, a third runway and environmental destruction. These policies are promoting climate change. These policies are making the poor poorer, and the rich richer. They are after us, they want to kill us, deport us, destroy our existences. We take objection to the defamation of our concerns, and being labelled “do-gooders” or “leftist extremists” – it is the state of society that is extreme!

YES!

A different world is not only necessary, it’s something we can and must bring about! A world where people can simply be, without norms driving us apart. A society where everyone is entitled to their own space – no matter if they are dis_abled, no matter the colour of their skin, their gender, where they come from or which language(s) they speak. A world where alternative ways of life, apart from patriarcal and heteronormative conceptions, have their place. A society that provides all of us with the opportunity to lead a good life. We are proponents of a global unconditional basic income for everyone, of living in a society based on solidarity where everyone can lead a good life, independent of performance and money. We want to live in a society that appreciates the dynamics of diversity, instead of fantasizing about stagnating sameness. People should be able to be and stay wherever they chose to. We see borders as lines forcibly drawn across a landscape, defining human being’s fates and opportunities – or lack thereof. We demand that everyone be entitled to the right to reside and freedom of movement! As long as there are wars, we need secure harbours and safe escape routes for all! The EU foreign policy’s death toll, with lives lost on border lines and in the Mediterranean, must have an end. We claim housing for all, and a right to the city! We demand a society where all genders can claim a space in their own right. We’re not after a piece of the pie – we want the entire bakery! This implies self-organized working conditions and control over the means of production by all of us, for everyone!

 

The name of our problem is capitalism and patriarchy – let’s face the facts and work towards a society capable of surmounting these constraints.

Yes! We’re here to reclaim the public space! This is a celebration of counter-culture! A city needs something to counter commercialism, to go against the stick and carrot approach, with those in power graciously administering bread and circuses while suppressing other uses of public space. This is a celebration of freedom, not profit! A celebration of the people’s right to claim the space they need!

Together, we’ll take to the streets and show people that we’re here! To make our demands heard! Join us! Come with your own sound truck, by your self, in groups, as a sound system or with an autonomous, spontaneous crowd… please contact us if you feel like contributing – in whichever way. The sooner, the better! Prepare for October 31th, 2018 – let’s show Vienna the possibilities that lie ahead!